Was ist ein Bruch?

Als „Bruch“ (Leisten-, Schenkel-, Nabel- oder Narbenbruch lat. „Hernie“ - kein Knochenbruch!) wird eine Lückenbildung in der Bauchwandmuskulatur, durch die sich das Bauchfell wie der Finger eines Handschuhs nach außen vorwölbt, bezeichnet. Die Lücke kann angeboren oder erworben sein. In die entstandene Bauchfellausstülpung können Eingeweide (Dünn- und Dickdarmanteile) rutschen und einklemmen. Diese Situation kann lebensgefährlich sein. Daher ist es erforderlich die entstandene Lücke rechtzeitig (am besten geplant) operativ zu verschließen. Seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts geschieht dies in aller Regel spannungsfrei durch ein Kunststoffnetz.

Bei einem Zwerchfellbruch (innerer Bauchwandbruch) kommt es durch Verziehung der Speiseröhre nach oben zu einer Schädigung des Verschlussmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre. Die im Magen produzierte Säure kann ungehindert in die Speiseröhre fließen (Sodbrennen kann entstehen; besonders nachts in liegender Position).

 
 
 
 
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Operationsverfahren bei Leistenbrüchen

Offene Operation mit Leistenschnitt und Netz

Nach Hautschnitt auf einer Länge von circa vier bis sechs Zentimetern erfolgt die Präparation der Muskelhüllen unter Schonung der Bauchwandnerven. Vom sog. äußeren Leistenring ausgehend wird die Muskelhülle eröffnet und der Bruch sowie der Samenstrang und die mit ihm ziehenden Nerven und Blutgefäße dargestellt. Nun erfolgt die vollständige Abtrennung des Bruchsackes, die Eröffnung, Abtragung und der Verschluss des Bruchsackstumpfes mit einer Tabaksbeutelnaht. Danach wird das circa sieben mal zwölf Zentimeter messende, typisch zugeschnittene Netz auf die vorbereitete innere Bauchwandschicht aufgebracht. Hierbei ist wichtig, dass das Netz den tastbaren Knochenvorsprung deutlich nach mittig überragt. Die Befestigung erfolgt mit einer nicht auflösbaren Naht von mittig nach seitlich am Leistenband über den inneren Leistenring reichend, wobei seitlich des inneren Leistenringes beide Netzlefzen überlappend in die fortlaufende Naht einbezogen werden. Der Verschluss der äußeren Bauchwandschicht mit einer fortlaufenden, sich später selbst auflösenden Naht, vervollständigt die Wiederherstellung der Bauchwand. Der Hautverschluss erfolgt mittels einer in der Haut gestochenen Naht.

Endoskopische Operation mit Netz (Schlüssellochmethode)

Nach Auffüllen des Bauches mit Luft erfolgt die Anlage von drei Röhrchen. Die Optik wird über das mittlere Röhrchen eingeführt. Auf dem angeschlossenen Bildschirm kann nun die Bauchhöhle von innen betrachtet werden. Über die beiden seitlich (rechts und links) eingebrachten Röhrchen kann mit langen, feinen Spezialinstrumenten das Bauchfell oberhalb des Bruches quer auf einer Strecke von ca. fünf Zentimetern eingeschnitten werden. Danach erfolgt das Ablösen des Bruchsackes vom Samenstrang. Jetzt zeigt sich die Bruchlücke in der inneren Bauchwandschicht. Nach weitgehender Ablösung des Samenstranges vom Bauchfell kann nun ein ausreichend großes (zwölf mal fünfzehn Zentimeter) Netz mit leicht abgerundeten Ecken sicher über dem Samenstrang und der Bruchlücke platziert werden. Abschließend wird das Bauchfell mit einer sich später selbst auflösenden Naht fortlaufend verschlossen. Ein Einschneiden oder eine extra Befestigung des Netzes ist nicht erforderlich, da es in dem „maßgeschneiderten“ Raum zwischen den Bauchwandschichten durch den Druck des wieder verschlossenen Bauchfells und der darauf „lastenden“ Baucheingeweide nach Ablassen der Luft aus der Bauchhöhle an die innere Bauchwandschicht „gepresst“ wird.

Galten bis 2008 5 mm durchmessende Instrumente als Untergrenze der möglichen Minimalisierung konnte durch Einführung des hochfesten 2 mm durchmessenden Alphadur Instrumentarium die Größe der seitlichen Einstiche in die Bauchwand auf ein absolutes Minimum zurückgeführt werden. Diese Einstich sind so klein, dass ein Nahtverschluss entfällt. Nur noch der kleine Nabeleinschnitt wird in der Haut mit einem Faden, der sich selber auflöst, vernäht, so dass das Ziehen der Fäden nach der Operation entfällt.

Neben dem kosmetischen Effekt (fast narbenlose Operation) bietet die mikrochirurgische Technik weitere Vorteile: Durch präzisere Technik kann die Rate von nach der Operation auftretenden Schmerzen im Bereich der Leistenbauchwandnerven deutlich verringert werden.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  • 1 Abb. entnommen aus Schumpelick et al: Hernienchirurgie
  • 2 Abb. entnommen aus Bittner et al: Chirurgie der Leistenhernie, Karger, 2006